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Es war einmal…

Vol. 14

Ja, doch, es verdient, dass eine Geschichte daraus entsteht. Eine, die den klassischen Anfang eines Märchens trägt. Und das obwohl diese Geschichte ihr Happy End noch sucht. Jenun. Es war also einmal… eine junge Frau und ihr Wunsch, beruflich voranzukommen. Bekanntermaßen ist der Weg das Ziel. Optimistisch gedacht. Wie dem auch sei… Auf dem Weg also trug es sich zu, dass die junge Frau das ein oder andere Mal ihren Wohnsitz wechseln musste. Jeder, der schon einmal umgezogen ist, weiß was das bedeutet. So kam es, dass die junge Frau eines schönen Tages in die südlichen Gefilde Germaniens zog. Der Umzug geschah, wie so viele Male zuvor, mit offenem Geist und Herzen. Und dem Versprechen, das Beste daraus zu machen.

Gesagt getan. Und dennoch…!

Nicht immer lässt sich durch eigenständiges Handeln eine Situation positiv beeinflussen. Manchmal ist es schlichtweg Schicksal oder Karma oder whatever, dass Dinge einen ungewöhnlich seltsamen Verlauf nehmen. Will heißen, weder beruflich noch privat fand die junge Frau so richtig ihr Glück in dem Bundesland, dass ihr zunehmend befremdlicher erschien. Darum soll es hier nun aber nicht gehen. Hierzu ward an anderer Stelle bereits die ein oder andere Geschichte erzählt. Denn neben den recht verstörenden Tango-Eindrücken, irritierenden Männerbegegnungen und ungewöhnlichen Arbeitsbedingungen gesellte sich schließlich eine weitere – nicht minder – sprachlos machende Begebenheit: Eines nachts nämlich fuhr besagte junge Dame von einem abendlichen Besuch bei ihrer Freundin nach Hause. Wie so oft nahm sie auf dem Weg die Bundesstraße. Jene, die durch etliche Ortschaften führte und Geschwindigkeiten zwischen 30 bis 120 Kmh zuließ. Es war gegen 1.30 Uhr als die junge Frau ein Auto hinter sich bemerkte, dass recht dicht auffuhr und den Anschein erweckte, sie zu verfolgen. Zunächst glaubte sie die Polizei hinter sich. Verwarf den Gedanken jedoch alsbald und zog ihrer Wege. Kurz vor dem Ortsschild ihres aktuellen Heimatorts sah sie Blaulicht anrasen und lenkte ihren Wagen an den Straßenrand, um den Gesetzeshütern freie Fahrt zu gewähren.

Jenun! Mitnichten aber war es deren Absicht, gemeine Verbrecher zu jagen. Vielmehr galt ihr Begehr der jungen Frau. Rasant kamen sie vor ihr nämlich quer zum Stehen, stiegen aus und traten beherzt den Weg zum PS-starken Wagen des Fräuleins an. Hach! Das war schon recht aufregend anzusehen. Die junge Frau ließ also ihr Fenster hernieder. So teilte man ihr mit, der Fahrer hinter ihr habe die Polizei gerufen.

Aha! Und wieso?

Sie sei Schlangenlinien gefahren.

Aha! (Ihr Blick entgleiste und sprach wohl Bände.)

Die üblichen Fragen wurden gestellt (woher sie komme, ob sie getrunken habe oder andere Stoffe zu sich nehme… ). Natürlich nicht! Flux flux wurde ein Alkoholtest durchgeführt. Und ach, wie nicht anders zu erwarten, war dieser natürlich grün und damit alles in bester Ordnung. Nach Drogen oder Müdigkeit sähe sie definitiv nicht aus. Immerhin!

Ja, aber wie kam nun der werte Herr im Wagen hinter ihr dazu, den Freund und Helfer zu dieser nächtlichen Stunde herbeizurufen?! Man befragte ihn erneut. Tja, was soll ich hier erzählen…?! Seine Antwort war nicht minder verstörend, irritierend und sprachlos machend, wie die Tangoversuche von Fred der flotten Sohle Astaire: Die junge Frau sei auf der zweispurigen Bundesstraße nur zwischen 80 und 100 Kmh schnell gefahren (wer Baden-Württemberg kennt, weiß, dass gefühlt alle 25m ne feste Blitze steht… insofern…). Da habe er sich so seine Gedanken gemacht! Ob das junge Fräulein wohl müde sei! Oder betrunken.

Aha!

Da war sie also, die Verwunderung. Und blieb. Wo die junge Frau doch (nachweislich) weder betrunken noch müde war, sondern ordentlich klar in der Birne. Der freundliche Polizist wusste nun auch keinen Rat darauf, händigte die Papiere aus und gemahnte das Fräulein dazu, in Zukunft auf einer Bundesstraße mit 120 erlaubter Höchstgeschwindigkeit mindestens 80 zu fahren.

Aha.

Nur der Vollständigkeit halber sei hier angemerkt: Laut StVO §3 gilt auf Bundesstraßen eine Mindestgeschwindigkeit von 60 Kmh, die man aber keineswegs zu jeder Zeit fahren muss. Ganz unabhängig davon fuhr die junge Frau die gut 230 PS ihres Sportwagens sehr gerne aus – am liebsten aber auf Autobahnen, die frei genug dafür waren. Bundesstraßen, die durch Orte führen eignen sich wahrlich nicht dazu. Außerdem spart es Benzin, gelegentlich auch mal weniger schnell zu fahren. Aber egal…! Warum hat der Herr eigentlich nicht die zweite Spur auf der B10 zum Überholen genutzt? Dafür is se doch da, oder was!

Tja… was soll ich also sagen…?!

Eine junge Frau, nachts allein im Auto, auf einer zweispurigen Bundesstraße mit ca. 90 Kmh … die fällt wohl auf. Und ganz besonders netten älteren Herren, die sich zum Schildbürger berufen fühlen. Ja … ja! Wie gesagt, mir schien, dies sei eine Geschichte durchaus wert. Denn Spacken – wie wir Hamburger sagen – gibt es überall. Dass man bei der Polizei angezeigt wird, weil man nur 80 fährt statt 120 fährt, ist recht famos und eine gewaltige Verschwendung von Steuergeldern!

Mit freundlichen Grüßen, die BMW-Fahrerin von der B10!

Eine Antwort auf „Es war einmal…“

Wer war da wohl der verkannte Märchenprinz? Der Spacke oder der Polizist? Oder wen hat die junge Frau verpasst, weil sie so langsam unterwegs war? Und ist „Fräulein“ eigentlich genderkonform? Fragen über Fragen 🙂

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