Forschung

Partizipatorische Schul- und Unterrichtsentwicklung aus sozial-konstruktivistischer Perspektive

Mediendidaktisch orientierte Praxisforschung

Visuelle und sprachliche Forschungsmethoden

Im Sinne eines praxiserforschenden Habitus richtet sich meine Lehr- und Forschungsperspektive daher auf die Wechselwirkung zwischen schulischen Akteur*innen und unterschiedlichen schulischen und außerschulischen Räumen sowie Raumverschränkungen (Hochschule, Schule und außerschulischer Lernort). In diesem Zusammenhang nehme ich an, dass

  • Handlungsmöglichkeiten unterschiedlich erlebt/erfahren werden, je nachdem welches Verständnis von Gestaltung und Partizipation (= Teilhabe) vorherrscht. 
  • Handlungsmöglichkeiten (innerhalb der Bildungslandschaft) werden nicht immer voll ausgeschöpft, möglicherweise weil dies nicht erwünscht ist oder weil Möglichkeiten unerkannt bleiben (Subjekt).
  • Vorhandene Strukturen (innerhalb der Bildungslandschaft) können hinderlich bzw. förderlich sein, je nachdem ob und wie sie für die Weiterentwicklung bzw. das soziale Handeln von den Akteur*innen genutzt werden (Struktur). 

Untersucht werden aus diesem Grund explizite und implizite Denkstrukturen, Relevanzen und Sinnzuschreibungen von Lehramtsstudierenden sowie auch von Schüler:innen bei der Unterrichtsentwicklung. Über die benannten metatheoretischen Ausgangspunkte wird der übergeordneten Frage nachgegangen, wie eine Kultur der Digitalität (Stalder 2016) durch eine politisch-kulturelle Medienbildung zu einer Kultur der Partizipation werden kann, während die Anbahnung von Gestaltungskompetenz (deHaan 2016) die Brücke bildet. Der gewählte Forschungsansatz fokussiert dabei auf das Zusammenwirken der beiden Dimensionen Subjekt und Struktur im Sinne der Strukturationstheorie des Soziologen Anthony Giddens (1988):

(1) Blick auf die Handlungsorientierung und Deutungsmuster aus Sicht von schulischen Akteur*innen 

Es werden die Denkstrukturen der Akteur*innen erfasst (Fend 2009); diesen wird eine handlungsleitende Wirkung zugesprochen (Giddens 1988). Somit ergibt sich folgende Forschungsfrage: Welches Verständnis von Gestalung und Partizipation wird von den Akteur*innen artikuliert und wie wird es konstruiert? Das heißt, auf welche Denkstrukturen greifen die Akteur*innen in ihren Ausführungen zurück, die das Gestaltungsverständnis im Kontext von Lehr-Lernprozessen konstruieren? 

(2) Blick auf die strukturellen Rahmenbedingungen aus Sicht von schulischen Akteur*innen 

Im Fokus stehen die wahrgenommenen Handlungsmöglichkeiten der Subjekte. Untersucht wird, welche Handlungsmöglichkeiten die Akteur*innen sehen und wie diese von ihnen eingeschätzt werden. Somit ergibt sich folgende Forschungsfrage: Welche Handlungsmöglichkeiten werden im Rahmen von Gestaltungs- bezogenen Prozessen an Hochschulen und Schulen von den Akteur*innen wahrgenommen und welche Einschränkungen von Handlungsmöglichkeiten? Das heißt, welcher Stellenwert (hinderlich oder förderlich) wird den Strukturen in Verbindung mit Lehr-Lernprozessen zugesprochen und wie nehmen die Akteur:innen Gestaltungsmöglichkeiten im institutionellen Kontext wahr?

Methodologische Verortung: Kritische Erziehungswissenschaft im Sinne der kritisch-konstruktiven Didaktik nach Wolfgang Klafki Forschungsstrategie: Qualitative Sozialforschung (rekonstruktiv-interpretativ sowie explorativ-fallorientiert).

Erhebungsinstrumente: Qualitative Interviews: Ausgerichtet auf Offenheit der Erzählsituation. Unterrichtsbeobachtungen: Video- und Bildmaterial. Projektjournale: Fortlaufende Dokumentation durch die Studierenden (via Miro, bookcreator, Podcast…).

Auswertungsmethode: Dokumentarische Methode   Erhebungs- und Auswertungsverfahren, welches Erzählungen und Beschreibungen herausfordert.Rekonstruktion der Handlungspraxis und des handlungsleitenden Wissens (Was) sowie subjektive Sinnzuschreiben durch die Akteur:innen (Wie).Methodologische Abgrenzung von immanentem und dokumentarischem Sinngehalt (zwei voneinander abgegrenzte Arbeitsschritte)Thematische Schwerpunkte: Merkmale, Ideen und Prozesse.

Damit ergibt sich eine Triangulation aus Beobachten – Gespräche führen – Dokumentation. Insgesamt erfolgt der Forschungszugang durch eine unmittelbare Erfahrung im Feld und einer anschließenden Versprachlichung des Sozialen. Daraus ergibt sich eine kritisch-konstruktivistisch angelegte Fallarbeit auf Basis einer sinnhaften Struktur, mittels derer die Eigenlogik des Falls offengelegt und fallspezifische Entscheidungen ausformuliert werden, während die Rollenhaftigkeit und Interessenslagen der unterschiedlichen Akteur*innen getrennte Beachtung finden, um Implementationswissen zu generieren. Ferner wird der Bezug zu einem metatheoretischen Zugang hergestellt, der einen Problemzusammenhang erkennbar macht. Um der Interaktionsgestaltung einen Rahmen zu geben, werden entsprechende Gütekriterien beachtet (Bohnsack 2021; Misoch 2019; Hummrich/Hebenstreit/Hinrichsen/Meier 2016; Breitenstein/Hirschauer/Kalthoff/Nieswand 2015; Przyborski/Wohlrab-Sahr 2014).